James (Allan) Nachtwey (*14.03.1941)

 

US-amerikanischer Dokumentarfotograf und Fotojournalist. Nachtwey zählt zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Dokumentarfotografie, insbesondere der Kriegsfotografie.

James Nachtwey fotografiert nach der Maxime, möglichst dicht am Motiv zu sein. Er ist
within a rifle butt’s reach, sitting upright, his finger poised above the shutter“ (Chris Wright).

Nachtwey vermeidet Teleobjektive und spektakuläre Aufnahmestandpunkte; stattdessen bevorzugt er Weitwinkelobjektive und begibt sich auf Augenhöhe der von ihm fotografierten Subjekte, er geht „nah ran“, ganz nach Robert Capas – eigentlich im übertragenen Sinn gemeinten – „goldener Regel“ der Reportagefotografie:

„If your pictures aren’t good enough, you’re not close enough.“

 

(Biographie / Text wird fortgesetzt – bitte scrollen)


copyright: James Nachtwey

 

James (Allan) Nachtwey wurde am 14.03.1941 in Syracuse, New York, geboren. Er wuchs in Leominster, Massachusetts, auf und studierte von 1966 bis 1970 Kunstgeschichte und Politikwissenschaft am Dartmouth College. Nach dieser Zeit arbeitete er auf Handelsschiffen und als Lastwagenfahrer; etwa 1972 entschloss er sich unter Einfluss der Studentenbewegung und des Vietnamkriegs Fotograf zu werden. Dieses Ziel verfolgte er über nahezu zehn Jahre, jedoch vorerst ohne Bilder zu publizieren.

Während dieser „Vorbereitungszeit“ brachte sich Nachtwey die Fotografie autodidaktisch durch das Studium von Fotobüchern und Dunkelkammerarbeit bei; zu den Fotografen, deren Arbeiten er studierte, gehören unter anderem Henri Cartier-Bresson, William Eugene Smith, Josef Koudelka und Don McCullin.

Zunächst lernte er den Alltag eines Reporters als Assistent eines Nachrichten-Redakteurs bei der US-Fernseh-Gesellschaft NBC in New York kennen. Ab 1976 fotografierte er selbst erstmals regionale Ereignisse in New Mexico; ab 1980 arbeitete er dann als freier Fotograf in New York City.

Seine erste Fotoreportage entstand 1981 in Nordirland, wo er die Unruhen in Belfast dokumentierte. Nachtwey arbeitet seit dieser Zeit fast ausschließlich in den jeweiligen Krisengebieten der Welt unter dem Motto des „Witness“ („I have been a witness, and these pictures are my testimony. The events I have recorded should not be forgotten and must not be repeated.“). Was ihn antreibt, ist nach eigenen Aussagen die Suche nach einem Antidot gegen Krieg und die Hoffnung darauf, etwas verändern zu können.

In den 80er Jahren bereiste er dann als Dokumentarfotograf die lateinamerikanischen Länder (El Salvador, Nicaragua, Guatemala, Brasilien u.a.), den Nahen Osten (Libanon, Israel und die besetzten Gebiete (West Bank), Kurdistan u.a.) sowie Afrika (Ruanda, Somalia, Südafrika (1994) u.a.).

Anschließend folgten zahlreiche Reisen in das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion und die Länder des Ostblocks wie Bosnien, Rumänien und Tschetschenien. Auch in Afghanistan entstand 1996 eine Fotodokumentation des Krieges. In Asien entstanden zunehmend Reportagen, die sich mit der Armut und den Lebensumständen der dortigen Bevölkerung beschäftigten (Indonesien, Thailand, Indien, Sri Lanka, Philippinen, Südkorea u.a.)

Seit 1984 steht Nachtwey unter Vertrag beim Time Magazine; zwischen 1980 und 1985 kooperierte er mit Black Star. Zwischen 1986 und 2001 war James Nachtwey Mitglied der Fotoagentur Magnum; seit 2001 arbeitet er für die Agentur VII, zu deren Gründungsmitgliedern er gehört.

Nachtwey wohnt am Rand von Manhattan. Als Augenzeuge der Terroranschläge auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 begleitete er die Einstürze der Türme und die Rettungsarbeiten am Ground Zero mit der Kamera.

Nachtwey wurde bei seiner Arbeit viele Male verwundet, so zum Beispiel am 10. Dezember 2003 im Irak bei einer Reportage des Time Magazine zum Thema „Person of the Year“.